DDR-Postkarten-Museum

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Glückwunschkarten (Neu)

Das Genre der Glückwunschkarten war auch in der DDR ein äußerst umfangreiches, gab es doch nicht nur Grußkarten zum Geburtstag, Oster- / Pfingst- oder Weihnachts- und Neujahrskarten, sondern auch zu speziellen Anlässen wie Jugendweihe, Konfirmation und den Namenstagen. Diese waren allerdings nur in sehr geringem Umfang von wenigen, zum Teil auch nur von kirchlichen Verlagen herausgegeben worden und sind auch in diesem Postkarten-Museum nur sehr schwach vertreten. Gänzlich fehlen hier Glückwunschkarten zum "Internationalen Frauentag", dem in der DDR abgeschafften "Muttertag" und dem "Tag des Lehrers", "Tag des Bergmanns" oder "Tag des Eisenbahners". Aber auch speziell für Geburt, Hochzeit, Verlobung und Trauerfall gab es zwar im Briefkuvert zu versendende Klappkarten, jedoch keine Ansichtspostkarten.

Glückwunschkarten zum Geburtstag sind in diesem Museum am zahlreichsten vertreten, da diese den größten Anteil an den in der DDR produzierten Grußkarten hatten. Sie waren vorder-, aber ab 1970 sehr oft rückseitig bedruckt mit rund zwei Dutzend verschiedenen Titeln - die gebräuchlichsten waren "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag", "Die besten Wünsche zum Geburtstag", "Herzliche Geburtstagswünsche" oder "Alles Gute zum Geburtstag". Sehr wohl sind aber auch andere, selten verwendete Titel zu finden wie "Frohe Fahrt ins neue Lebensjahr", "Soviel gute Wünsche fliegen zu dir" oder "Mit Schwung ins neue Lebensjahr". Die Glückwunschkarte zum Geburtstag war diejenige Kartenspezies, die wohl jeder des Lesens fähige DDR-Bürger am meisten zugeschickt bekam, manche sogar 10 bis 20 Stück pro jährlichem Geburtstag. Alle erhielten sie Geburtstagskarten in der DDR, vom siebenjährigen Schüler bis zum hundertjährigen Rentner, vom einfachen Arbeiter bis hin zum Werkleiter, Minister für Staatssicherheit und auch dem Ersten Sekretär des ZK der SED und Staatsratsvorsitzenden, die Genossen Walter Ulbricht oder Erich Honecker.

Als Motive kamen überwiegend Blumensträuße, einzelne Blumen wie vor allem Rosen, Tulpen und Dahlien in Frage, aber auch kleine Geschenke und mit einer schönen Blumenvase auf dem Tisch dekoriert. Ende der 40er und in den 50er Jahren gab es noch rund 50 grußkartenproduzierende Verlage und dominierten noch gezeichnete Glückwunschkarten mit Blumen, bunten Sträußen und Kinderszenen, sowie schwarz-weißen Fotos. Doch um 1960 wurden mehr und mehr farbige Fotokarten mit ähnlichen Motiven herausgegeben. Nur wo Geburtstag zu lesen steht, ist es auch eine Geburtstagskarte, und nur wo Ostern draufsteht, kann man sie als Osterkarte einstufen, denn es gab zahllose Glückwunschkarten mit Blumen und Sträußen, Landschaftsaufnahmen und Gezeichnetem, die sowohl zu Ostern als auch zu Pfingsten verschickt werden konnten. Und immens ist der Umfang an neutralen Karten mit Blumenmotiv und Titel wie "Alles Gute", "Herzlichen Glückwunsch" oder "Herzliche Grüße", die keinerlei Hinweis darauf gaben, zu welchem Anlaß sie gedacht waren. Diese Karten konnte man zu allen festlichen Anlässen benutzen, ob zum "Tag des Bauarbeiters", "Tag der NVA" oder zum Frauentag, Jugendweihe und auch Geburtstag, Verlobung oder Hochzeit.

 

 

Ansichtskarten der DDR 1949-1990

Zum Zeitpunkt der Gründung beider deutscher Staaten wurden in vielen Städten und Ortschaften und zum Beispiel in Schwedt/Oder noch bis Mitte der 50er Jahre Restposten der Vorkriegskarten verkauft, ehe DDR-Verlage neue Motive fotografierten und verlegten. Besonders schwierig war dies im gleichfalls sehr stark zerstörten Dresden, wo noch bis in die 60er Jahre Ansichtskarten mit Aufnahmen vor der Zerstörung 1945 produziert wurden, ehe Neubauten das Stadtbild dominierten und für die Kartenindustrie interessant wurden.

Erste Neuproduktionen gab es in der jungen DDR im Jahre 1951 aus Anlaß der Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin, als man hohe Stückzahlen aktueller Ansichten benötigte. Das Problem neuer Kartenemissionen lag zum einen an den erst nach und nach wieder im Entstehen befindlichen Verlagen, an der noch relativ kleinen Anzahl geeigneter Fotografen und an der schwierigen Situation mangelnder Mobilitätsmöglichkeiten. Doch um 1955 hatten sich mehr und mehr kleine lokale Privatbetriebe und einige KGs etabliert und es in fast allen bedeutenden Orten eine ausreichende Auswahl an Schwarz-weiß-Ansichtskarten gegeben. Aber auch farbige Karten in für heutige Begriffe sehr mäßiger Qualität konnten in den frühen Jahren der DDR von einem halben Dutzend Verlagen angeboten werden, allen voran der im sächsischen Reichenbach beheimatete VEB Volkskunstverlag, der zum 10. Jahrestag des Arbeiter- und Bauernstaates 1959 in VEB Bild und Heimat umbenannt wurde.

Die Ansichtskarte war in der DDR bis zu ihrem Ende 1990 auf Grund nicht ausreichend vorhandener Telefonanschlüsse das wichtigste Kommunikationsmittel nach dem Telefon und der Briefsendung. Die Statistischen Jahrbücher der Deutschen Post der DDR weisen aus, daß es zum Beispiel 1960 exakt 273 und 1975 über 300 Millionen Postkarten waren, die verschickt wurden. So erklärt sich von selbst, wieviele Karten jährlich produziert werden mußten, um den Bedarf der schreibfleißigen DDR-Bürger abzudecken. Wieviele verschiedene topografische Postkarten jedoch in 40 Jahren DDR herausgegeben worden sind, kann auch der beste Philokartist nicht sagen, geschweige denn ein Archiv darüber Auskunft geben. Die tatsächliche Gesamtzahl wird man wohl nie erfahren und kann nur geschätzt werden - vielleicht waren es 350.000 oder gar eine halbe Million verschiedener topografischer Ansichtskarten ? Hinzu kommen aber auch die sehr zahlreich Jahr für Jahr von rund 50 Verlagen herausgegeben Weihnachts-, Neujahrs-, Oster- und Pfingstkarten, sowie Grußkarten zum Geburtstag und zur Einschulung.

Bis zur allgemeinen Kombinatisierungskampagne von 1972 und Umwandlung etlicher halbstaatlicher und privater Betriebe in Volkseigene Betriebe (VEB) verschwanden auch auf dem Postkartensektor viele kleinere Unternehmen. Übrig blieben rund 20 Verlage, von denen der VEB Bild und Heimat, der VEB Foto-Verlag, der staatliche Planet- Verlag und der private Auslese-Bildverlag die größten Marktanteile hatten. Auf jeden Fall war die Postkartenproduktion auch im Sozialismus ein sehr lukrativer Wirtschaftszweig angesichts des alljährlich millionenfachen Absatzes trotz der niedrig gehaltenen Verkaufspreise von 10 bis 25 Pfennigen pro Karte. Die Palette der Genres war ungeahnt umfangreich und wird von den meisten Ansichtskartensammlern nicht vollständig wahrgenommen oder als nicht sammelnswert betrachtet - allein die rund 10 kirchlichen Verlage gaben Hunderte teils grafisch überaus abstrakt-modern gestaltete Karten mit christlichen Motiven, Zitaten und Psalmen heraus, die es natürlich in der DDR nicht am öffentlichen PZV-Kiosk zu kaufen gab. Sehr hohe Auflagen hatten die in der gesamten DDR vertriebenen Orientierungskarten von Urlaubsgebieten und größeren Städten. Andere Verlage hatten sich auf humoristische und militärische Motive oder kunstvolle Scherenschnitte spezialisiert. Und eine zeitlang -von 1959 bis 1965- gab es auch "tönende Ansichtskarten", auf folienüberzogene Hartpappe gepreßte Schallplatten zu kaufen, zu versenden und zu sammeln. Buch- und Kunstverlage druckten Gemälde in- und ausländischer Galerien und Museen, DDR-Kunst und Karikaturen, andere verlegten Texte von Volksliedern auf Postkarten, Karten mit Tiermotiven, für Kinder oder mit Werbung für Export-Produkte. Eine ganz besondere Spezies sind die sehr gesuchten Ansichtskarten mit Innenaufnahmen von Ferienheimen, Hotels und gastronomischen Einrichtungen, derer sich rund 5000 in der Sammlung von Jürgen Hartwig befinden, von denen bald schon eine interessante Auswahl in diesem virtuellen Museum zu sehen sein wird.

 

 

Kuriositäten der DDR-Ansichtskartenproduktion

Diese bisher einzigartige Themenrubrik veranschaulicht erstmals, welche kuriosen Motive mittels der Bildpostkarte für den Verbraucher (Käufer wie Empfänger) festgehalten wurden und philokartistische Besonderheiten es beim Sammeln von DDR-Ansichtskarten zu entdecken gibt, wenn man die Möglichkeit hat, Karten im Dublettenbestand miteinander vergleichen zu können.

Die kuriosesten Ansichtskartenmotive findet man in dem 2009 erschienenen Buch "Grüße aus der DDR", das auf der Startseite dieses Museums einsehbar ist und manch einen Sammler wie Nichtsammler staunen läßt, was alles auf Postkarten verewigt worden war : Gänsebraten mit Thüringer Klößen und rückseitig aufgedruckter Zubereitungsanleitung, mit Stäbchen essende DDR-Bürger im legendären ersten Japanischen Restaurant der DDR in Suhl, durch verschneiten Wald laufende "Breitensportler", am 1. Mai demonstrierende Kampfgruppenverbände, die schönsten Kaufhallen der DDR, Schildkröten-Sex, Hotelbetten, das Politbüro der SED, ein Lenin-Denkmal ohne Lenin, werktätige Frauen an ihrem Arbeitsplatz oder Genosse Walter Ulbricht "unter Tage" bei Bergarbeitern im Steinkohlenschacht. Der netzeflickende Ostseefischer, schafehütende Schäfer oder eine Frauenbrigade beim Frauentagsausflug gehörten ebenso zum Repertoire der Fotografen wie der Geburtstagskuchen, Pinguine im Privatgespräch oder "sozialistische" Palmen, Politlosungen in der Betriebskantine, "blühende Landschaften" im DDR-Frühling lange vor Helmut Kohls historischem Ausspruch oder der "Kosmokrator", mit dem Junge Pioniere dereinst auf dem Mond hätten fahren sollen. Auch DDR-Micky-Mäuse des Trickfilmstudios Dresden wurden auf Postkarte gebannt, wie auch der fast schon vergessene Fahnenappell, ein zu spät zur Schule kommender Schüler, Ringelreihen im Kindergarten, Skulpturen unbekleideter Damen und Herren, sowie der DDR zu internationaler Anerkennung verholfene Spitzensportler ebenso wie der schöne deutsche Wald in der Morgendämmerung oder Morgengymnastik mit Akkordeon am Badestrand.

Gleichfalls interessant ist das Unteralbum "Produktionsfehler". Bei der Kartenproduktion kam es gelegentlich zu fast unglaublichen Pannen, als man z.B. den Ortsnamen Scwarzburg oder Eisenhüttentadt gedruckt hatte und die Karten unbehelligt in den Verkauf gelangten, oder anstelle von "Karl-Marx-Straße" einmal "Karl-Marx-Stadt" zu lesen war. Sehr selten jedoch findet man DDR-Ansichtskarten, wo ein gänzlich falscher Ortsname angegeben war. Nicht wenige der Fehldrucke gelangten in den Handel, ehe man die selbigen aus dem Verkehr zog und den Satzfehler mit Balken überdruckte. Fehlfarben hingegen gab es des öfteren - insbesondere Gelbtöne, Lila oder Rottöne stets in gleicher Stärke zu drucken war offenbar ein nicht so leichtes Unterfangen gewesen. Makaberste Beispiele dieser Rubrik sind jedoch drei Karten, die in spiegelgleicher Abbildung herausgegeben und verkauft wurden, ehe man das Versehen bemerkte!

In der Rubrik "Detailänderungen" ist etwas zu spüren von der Emsigkeit der Kartengestalter, die Karten bei jeder Neuauflage neu "zusammenzubauen" oder unansehnliche Details zu retuschieren oder gar zu entfernen hatten. Da wurde schonmal ein langes Kleid der Fünfziger Jahre durch den Bildretuscheur verkürzt, als die Miniröcke in Mode kamen oder ein unmodern gewordener altertümlicher Kinderwagen einfach wegretuschiert ! Das Gesamtbild störende Elektroleitungen, ein ölverschmutzter Boden des Rollfeldes vom Flughafen Schönefeld oder ein auf der Straße frei herumlaufender Hund, aber auch hochgewachsenes Unkraut am Straßenrand wurden in optischer Verschönerung auf Geheiß des Bildredakteurs für Neuauflagen liquidiert. Am häufigsten findet man neuauflagenbedingte Schriftverschiebungen, ausgetauschte Bilder bei Mehrbildkarten oder Ortsnamen in moderneren Schrifttypen. Ein Kapitel für sich sind die unterschiedlichen, gemalten Wolkenklischees, denen man beim Vergleichen von Dubletten immer wieder begegnet. Da die Fotografen zumeist bei strahlend schönem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel ihre Aufnahmen machten, fehlte fast allen Bildern etwas von der Lebendigkeit der Natur, die schon um die Jahrhundertwende ein wesentliches Kriterium der Bildgestaltung war. So wurden bei der Kartenproduktion bei beinahe jeder Neuauflage der schwarz-weißen Karten andere Wolkenklischees verwandt.

Größte philokartistische Raritäten und von historisch orientierten Ansichtskartensammlern besonders gesucht sind Karten der Vorkriegszeit, die noch in der SBZ und frühen DDR-Zeit in Umlauf waren, wo beispielsweise der "Hindenburg-Park" mit Balken und neuem Namen "Ernst-Thälmann-Park" überdruckt wurde oder die Entstalinisierungskampagne von 1961 auch etliche Änderungen in der Kartenproduktion bedingt hatte. Und kaum ein DDR-Bürger wußte bzw. wenige Sammler von heute wissen, daß einige DDR-Verlage topografische und Glückwunschkarten mit kyrillischer Beschriftung herausgegeben hatten, da diese absolut selten auftauchen, waren sie doch nur für die sowjetischen "Freunde" der Besatzungsmacht und in Spezialgeschäften der Sowjetarmee verkauft worden.

Doch als Höhepunkt der philokartistischen Kuriositäten darf man eine Ansichtskarte aus Torgau bezeichnen, auf welcher bei erster Auflage 1962 das Dach von Schloß Hartenfels grau und bei dritter Auflage 1965 vom selbem Foto rotbraun ist - also eine richtige, echte FÄLSCHUNG!

 

 

Politische Motive

Wie auch in anderen, den politischen Veränderungen unterworfenen Staatsgebilden, war auch in der Aufbauphase des Sozialismus in der DDR die Postkarte eines der Mittel, neue politische Ideologie nach außen zu dokumentieren und nach innen zu festigen. Der Anteil an reinen politischen Propagandapostkarten war jedoch, wie der Bestand dieser Rubrik beweist, relativ gering!

Das erste große politische Ereignis nach der Gründung der DDR, des "Ersten Arbeiter- und Bauernstaates Deutscher Nation" waren das von SED und FDJ inszenierte Deutschland-Treffen 1950 und die Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1951 in Berlin. Zu diesen Anlässen wurden bereits farbige Propaganda-Postkarten herausgegeben, die von angestrebter Völkerverständigung Zeugnis ablegten. "Symbolik des neuen Zeitgeistes" nach dem Schrecken des 2. Weltkriegs waren Frieden, Völkerfreundschaft und eine "glückliche Weltjugend".

Anläßlich des SED-Parteitages 1954 wurde dann erstmals eine Kartenserie produziert, deren Fotos am Eröffnungstage aufgenommen, in windiger Eile über Nacht in Ansichtspostkartenform gebracht und den Delegierten an den Folgetagen der Veranstaltung angeboten worden waren. Auch Politbüromitglieder wurden alle Jahre wieder auf Postkarte gebannt, ebenso die eindrucksvolle Kulisse der SED-Parteitage und historische Ereignisse, die man in dieser Rubrik via Postkarte nachvollziehen und die sozialistischen Realitäten kennenlernen kann. Zum besseren Verständnis der späteren Entwicklung in der DDR kann man hier auch die Ereignisse vor 1945 nachempfinden, die den Kampf der Kommunisten gegen die Nationalsozialisten und die Wahrheit der Geschichte dokumentieren. Hier zu sehen sind auch einige der vielen Postkarten, mit derem Kauf für Solidarität mit Ländern wie Vietnam, Chile oder Nicaragua geworben und gespendet wurde, die sich im Krieg mit feindlichen Aggressoren (unter dem Deckmantel der Freiheitlichen Welt) befanden.

Rund 400 Ansichtspostkarten des Spezialthemas Politik liegen nun vor, die hier in zehn Untergruppen meist in chronologischer Folge sortiert sind. So kann man nun die politischen Ereignisse gesondert aufrufen, ebenso wie Postkarten, auf denen politische Personen oder deren Denkmale abgebildet sind. Und der aufmerksame Betrachter wird feststellen können, daß es gar nicht so sehr viele Lenin-, Marx- oder Thälmann-Denkmale in der DDR gab, wie vermutet.

Fast alle in dieser Themenrubrik gezeigten Karten gab es nicht am Zeitungskiosk oder etwa am Souvenirstand zu kaufen, sondern nur in speziellen Buchhandlungen, Institutionen oder zu besonderen gesellschaftspolitischen Anlässen. Der Großteil der DDR-Bürger kam also mit diesem Postkarten-Genre nicht in Berührung. Daher wurden diese auch nur von wenigen gesammelt und sind heute als eher seltene Spezies zu betrachten. Wer diese Thematik jedoch sammelt, wird auch jene zu schätzen wissen, die das Leben der „Jungen Pioniere“ und somit ein Stück eigener gelebter DDR-Vergangenheit zeigen: Thälmann-Pioniere an Gedenkstätten mit dem obligatorischen Pioniergruß "Seid bereit - immer bereit", beim Basteln im "Haus der Pioniere", beim Fahnenappell im Ferienlager oder mit sowjetischen "Freunden" beim Freundschaftstreffen. Auf diesen Postkarten wurde auch sozialistische Freizeiterziehung gezeigt, die junge Mikrobiologen, Keramiker, Kosmonauten oder Schiffsmodellbauer hervorbrachte.

Die "Pioniere" und auch Massensportveranstaltungen fallen in das Gebiet Politik, denn alles Gesellschaftliche war ein nicht wegzudenkender Teil der politischen Ideologie, eine bessere Gesellschaftsordnung und bessere Lebensbedingungen zu schaffen, Stärke nach Außen zu demonstrieren und in eine frohe Zukunft schauen zu können.

Diese ersehnte Zukunft endete im Jahre 1989 und mündete am 3.Oktober 1990 in die Deutsche Wiedervereinigung. Die sozialistische Epoche, das politische "Experiment Sozialismus" währte 40 Jahre, hinterließ gute und schlechte Erinnerungen und eine Vielzahl erinnerungsträchtiger Postkarten, die ein Stück Deutscher Geschichte dokumentieren und nun von hier aus weltweit gesehen werden können.

 

 

DDR-Orientierungskarten

Die ersten Orientierungskarten nach der Gründung der DDR wurden 1951 von Georg Hülsse aus Ahrenshoop gezeichnet. Bis 1953 wurden nur vier Karten von Fischland, Hiddensee, Mönchgut und Rügen herausgegeben, die mit stilisierten Figuren und ortstypischen Gebäuden illustriert waren. Die schnell vergriffenen Auflagen machten erforderlich, daß neue Karten hergestellt werden mußten, die der Volkseigene Großbetrieb VEB Volkskunstverlag im sächsischen Reichenbach entwickelte und erstmals 1955 in den Handel brachte.

Die vom Leipziger Graphiker Alfred Hoppe gezeichneten Bilder waren wesentlich aufwendiger und künstlerisch anspruchsvoller. Als erstes bot man acht Karten für die Ostseeregion an, ein Jahr später folgten vier weitere Ostsee-Motive, sowie vier Karten für den Harz. 1958 gab man erste Karten für den Spreewald und 1959 vom Thüringer Wald heraus. Erstaunlich spät, nämlich erst 1967, kam eine solche Orientierungskarte für die Sächsische Schweiz in den Handel.

Nach 1970 endete das Monopol von Hoppe. Andere Zeichner wie Rahm (Plauen), Graichen (Zwickau), Kanis (Greiz), Mau (Leipzig), Wohlgemuth (Berlin) und Fischer aus Goßwitz ergänzten das fast alljährlich erweiterte Repertoire dieser Spezies, die beinahe alle beim Verlag Bild und Heimat in Reichenbach erschienen. Immer mal wieder wurden auch Fotopostkarten mit Bildmontagen und abfotografierten Orientierungskarten kreiert, die sich aber keiner großen Beliebtheit erfreuen und nicht auf dem Markt behaupten konnten. Positiver aufgenommen wurden dafür die rund 40 Städtekarten eines Graphikerkollektivs aus Karl-Marx-Stadt (Scheuner, Borck, Lowke und Richter), die ab 1977 (bzw. 1983 zum Teil neu und mit Wappen) angeboten und bis 1990 gedruckt worden waren.

Zu den graphisch beeindruckendsten Orientierungskarten dürften mehrere "Vogelschaubilder" der Graphiker Frank und Peuckert zählen, die nach westlichen Vorbildern von Urlaubsgebieten des Thüringer Waldes angefertigt wurden und in den 80er Jahren in nicht allzu großer Stückzahl in den Handel kamen.

Die am längsten im Einsatz befindlich gewesenen Orientierungskarten mit den vom Leipziger Graphiker Alfred Hoppe gezeichneten rund 125 Bildern waren die der Inseln Hiddensee, Rügen, Mönchgut und Usedom, die leicht verändert von 1955 bis 1989 produziert worden waren. Andere Karten hatten jedoch nur eine (aber wohl höhere) Auflage gehabt, wie z.B. die Karten Stubnitz, Ilsetal, Brocken und die ersten Spreewald-Motive. Nur einige Jahre, von 1957 bis 1963, wurden gleichfalls von Hoppe gezeichnete Streckenkarten für die DDR-Lufthansa und Interflug herausgegeben, die schon Liebhaberpreise von 10,- bis 45,- Euro erzielen, da diese nur an Bord des Flugzeugs und in Flughafengebäuden verkauft wurden und daher wesentlich rarer sind. Insgesamt wurden bis jetzt 305 Orientierungskarten aus DDR-Produktion bekannt, von denen einige erst im letzten Jahr des "Arbeiter- und Bauernstaates" realisiert worden waren: 1989 vom Tollensesee und 1990 das Zittauer Gebirge, sowie vom Kurort Lobenstein.

 

 

DDR-Landschaften

Neben den rund 200.000 verschiedenen topografischen Ansichtskarten mit Ortsbezug erschienen in 40 Jahren DDR auch geschätzte 2.500 Karten, die keinem Ort zugeordnet und somit als reine Landschaftskarten bezeichnet werden können. Diese wurden als Weihnachts- und Neujahrsgrußkarten, zu Ostern, Pfingsten oder in speziellen Kartenserien herausgegeben.

Landschaftsmotive werden nur von wenigen Philokartisten als sammelnswürdig erachtet, sind aber sehr wohl ein nicht wegzudenkendes Spektrum der visuellen Landeskunde und Beweis für das weitreichende fotografische Schaffen in der DDR.

Die Fotografen erwanderten, entdeckten und fotodokumentierten die schönsten Flecken in unberührter Natur, wohin wir selbst wohl nicht finden werden. Sie bestiegen Anhöhen und Berge des prächtigen Ausblicks übers Land wegen, stapften durch hohen Schnee zu winterlich idyllischen Standorten mit eindrucksvollen Motiven in der Stille der Natur, fernab der lärmenden Hektik der Städte und Fabriken, rauchenden Schloten und dem Autoverkehr auf Straßen und Autobahnen. Sie erkundeten für die Kartenbetrachter einsam gelegene Teiche, seerosenbesetzte Seen und plätschernde Bäche, bunt blühende Wiesen, außergewöhnliche Bäume und faszinierende Ausblicke über waldige Berge. Und sie hielten friedlich einherziehende Rehe, grasende Schafe und Pferde, frisch erwachte Baumblüte im Frühlingsantlitz und romantische Sonnenuntergänge fest.

Die Reize unberührter Natur waren auch im Sozialismus Magnet für den entdeckungsfreudigen Fotografen, der dankbar war, mal nicht auftragsgemäß den baulichen Fortschritt oder altbekannte Bauwerke in den Städten fotografieren zu müssen -- der innovativ frei sein und eigenständig entscheiden konnte, welche Motive er für schön hielt und sich auch an einer blühenden Wiese erfreuen konnte.

Die hier ausgewählten 200 Ansichtskarten uns nicht genau bekannter Standorte zeugen von einer Zeit, als noch keine Windräder und Windenergieparks die Landschaft verunstalteten. Sie lassen uns sogar vermuten, daß nicht wenige dieser Landschaftsaufnahmen heute so nicht mehr möglich wären. Und mittels dieser Fotos ist nun auch bewiesen, daß es sehr wohl blühende Landschaften lange vor dem historischen Ausspruch des Dr. Helmut Kohl in der DDR gegeben hatte...

 

 

Tönende Postkarten

Obwohl es schon 10 Jahre nach der Erfindung des Grammophons um die Jahrhundertwende als Postkarte versendbare Schallplatten gab und diese mit der Verbreitung der neuen 45er Geschwindigkeit Mitte der 50er Jahre im Westen für die Vermarktung wiederentdeckt und sehr rasch "modern" wurden, gelang es in der DDR nicht, derartige "tönende Postkarten" zu produzieren. Anläßlich des 10. Jahrestages der DDR initiierte der VEB Deutsche Schallplatten die Herausgabe selbiger und ließ 1959 die ersten Karten im Format von 20 x 15 cm im "sozialistischen Bruderland", der Volksrepublik Ungarn herstellen. Die Budapester Schallplattenfabrik lieferte in Zusammenarbeit mit dem Verlag des Kunstfonds farbig gedruckte Schallplattenkarten der Marke "COLORVOX", welche auf harter, schwer knickbarer Pappe mit Klarsichtfolie gepreßt wurden.

Doch gab es dieserart Ansichtskarten nur kurze Zeit, denn bereits 1965 wurden die letzten Exemplare angeboten. Sie kosteten 2,-DM mit Briefkuvert, in welchem sie verschickt werden konnten. Verkauft wurden sie nicht an den PZV-Kiosken, sondern in Schallplatten- und RFT-Fachgeschäften, sowie bei der Leipziger Messe. Es erschienen ca. 65 verschiedene Tonpostkarten mit modernen Schlagern jener Jahre, klassischen Stücken, Volks- und Seemannsliedern, Märschen, Weihnachtsliedern und Orchestermusik - aber auch Humorsketche mit Eberhard Cohrs und Horst Feuerstein und das Sandmännchen- Lied vom Abendgruß des Fernsehfunks gehörten zum ausgewählten Repertoire. Alle tönenden Ansichtskarten der DDR haben Bestell-Nummern, die zwei Ziffern des Herstellungsjahres beinhalten, an denen der Spezialsammler erkennen kann, daß mehrere dieser Karten ob ihres Verkaufserfolges eine zweite Auflage erfordert hatten.

Wer tönende DDR-Postkarten sammelt, darf sich über heutige Liebhaberpreise zwischen 15,- und 20,- Euro nicht wundern und kann sicherlich noch einiges bei der ersten Adresse für diese Spezies erwerben, die Bernd Meyer-Rähnitz in Radebeul bei Dresden betreibt: albis-international.de

 

 

Sandmann-Postkarten

Noch gibt es keinen Katalog aller rund 400 in der DDR erschienenen Postkarten mit Sandmann-Motiven und so kann die seit 1. Mai 2015 in diesem virtuellen Museum gezeigte Auswahl von 295 Karten einen ersten, wenn auch noch etwas unkompletten Gesamtblick auf diese Spezies geben, derer es nicht wenige Liebhaber und Spezialsammler gibt.

"Unser Sandmännchen" kannten alle DDR-Bürger. Es gehörte seit der ersten Ausstrahlung im DDR-Fernsehen am 22.November 1958 zum Arbeiter- und Bauernstaat wie die SED, wie "Täve" Schur oder der Trabbi. Und das DDR-Sandmännchen war auch einer der wenigen Gewinner über den kapitalistischen Klassengegner in der BRD, denn es war eine Woche eher auf Sendung gegangen als der West-Sandmann.

1961 wurde die Produktion der kurzen Vorfilme des "Abendgrußes" intensiviert und erste Ansichtskarten mit dem bärtigen Publikumsliebling vom DDR-Fernsehfunk in Auftrag gegeben. Der VEB Progress Film-Vertrieb gab im selben Jahr eine erste Kartenserie heraus, die sehr schnell vergriffen war und heute bei den Spezialsammlern sehr gesucht ist. Und nur bei www.ddr-postkarten-museum.de kann man anhand zweier aufeinander folgender Karten sehen, wie die erste Sandmännchen-Puppe von 1958 und die 1961 veränderte zweite Sandmännchen-Puppe aussah. Dem Verkaufserfolg Rechnung tragend, gab der DFF 1963 zwei privaten Verlagen den Auftrag, weitere Karten zu produzieren. Felix Setecki in Berlin gab eine 1963 bis 1965 produzierte farbige Kartenserie und Gebrüder Garloff in Magdeburg von 1963 bis 1969 rund 125 schwarz-weiße Sandmann-Postkarten heraus. Fotokarten kosteten 20 bzw. 25 und farbige meist 15 Pfennige. Die Garloff-Karten wurden im preiswerten Lichtdruckverfahren hergestellt und kosteten sogar nur 10 Pfennige. 1965 erschienen bei Garloff auch 6 Sandmann-Karten speziell zum 800-jährigen Bestehen der Leipziger Messe mit dem eigens für dieses Jubiläum und mehrere Abendgrußfilme kreierte „Messemännchen". Der bedeutendste DDR-Postkartenverlag VEB Bild und Heimat produzierte 1964 erste Karten mit dem Sandmann für die DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG und trat erst 1966 mit einer farbigen Serie als Konkurrent Garloffs auf - hatte dann mit rund 200 Kartenausgaben bis 1975 die zeitweilige Spitzenposition auf diesem motivischen Gebiet inne. Der Magdeburger Verlag gab 1969 letztmals neue Sandmann-Karten heraus und erlebte nach der Umwandlung in den VEB Bilddruck Magdeburg 1972 die Wiederaufnahme derartiger Kartenausgaben. Diese Aufgabe und den VEB Bilddruck übernahm 1973 der staatliche Planet-Verlag, der ab 1976 der alleinige Herausgeber neuer Postkarten mit dem Sandmännchen und den anderen Figuren des DFF-Kinderfernsehens war und bis 1990 blieb.

Wer die Sandmann-Karten sammelt, kann im Druckvermerk auf der Rückseite anhand der zweistelligen Jahreszahl und der Nummernblöcke leicht herausfinden, welche Nummern ihm noch fehlen. Angeboten werden die Karten sowohl auf Trödelmärkten, als auch bei Internet-Auktionen ab 1,- bis zu 20,- Euro ! Ganz seltene Karten haben auch schon für fast 50,-Euro den Besitzer gewechselt.

Das Interessante an diesen Karten ist nicht nur der Wiedererkennungseffekt an die Sandmann-Filme, die man als Kind beim allabendlichen "Abendgruß des Fernsehfunks" sah, sondern auch all die Fahrzeuge wiederzusehen und den Umfang derer zu erfahren - so kam der Sandmann schon 1961 kurz nach dem ersten Weltraumflug des Juri Gagarin mit einem Raumschiff, später oftmals im Mondmobil "Lunochod", mal im Flugzeug, mal auf einem Floß, per Fallschirm oder Raddampfer, im Traktor, Bus, Hubschrauber oder mit der Straßenbahn. Auch im Sessellift, auf dem Moped "Schwalbe" und im Segelboot kam er. Selbstverständlich fuhr er auch mit dem Trabbi auf Hausbesuch, um Kinder mit seinem Sandsäckchen in den Schlaf zu helfen, aber auch zu Fuß, auf Skiern oder auf einem Esel reitend sah man ihn - und heute auf den nun schon 30 bis 50 Jahre alten Ansichtskarten.

Unser Sandmännchen verstreute nicht nur in der DDR seinen Sand, sondern auch bei den Eskimos, in Vietnam oder im Orient (wo er mit einem fliegenden Teppich anreiste) und auch in Afrika, wo er mit Jeep und seinem Freund dem Affen unterwegs war. Selbst den Märchenfiguren Rotkäppchen und Wolf, den Sieben Schwaben, Aschenputtel und dem gestiefelten Kater verhalf er in den Schlaf. Ob ihm das auch beim Panzerfahrer der Nationalen Volksarmee gelang, ist auf nebenstehender Karte nicht zu erkennen…

Zu bestaunen sind auf den Karten nicht nur die unzähligen von Harald Serowski gebauten Fahrzeuge, sondern auch die über 200 Puppen und all die anderen filigran gefertigten Asseccoires für die Sandmann-Kurzfilme, die seit 1962 im stillgelegten Kino "Lichtburg" in Berlin-Mahlsdorf produziert wurden und bei denen man fast immer auch Fotos für die bei Kindern überaus beliebt gewesenen Ansichtskartenserien gemacht hatte. Die Fotos nahmen Mitarbeiter des Puppenstudios vom DFF und sogar auch der Leiter des selben und Schöpfer der 25 cm großen Sandmann-Puppe, der Kostümbildner Gerhard Behrendt, auf.

 

 

Die Ganzsachen-Postkarten der DDR

Ganzsachen sind Postkarten und Briefkuverts, auf denen sich eine bereits offiziell aufgedruckte Briefmarke befindet. Die allerersten Postkarten waren - lange bevor erste Bildpostkarten mit Ansichten in Gebrauch kamen - beinahe alle Ganzsachen, deren Geburtsjahr in Österreich mit 1869 benannt werden kann. In Deutschland wurde 1875 die erste Dauerpostkarte mit gedrucktem Postwertzeichen verausgabt. Diese sind in der Rubrik "Geschichte der Postkarte" zu sehen.

Die Ganzsachen-Postkarten der DDR, von denen es zwischen 1950 und 1990 rund 150 verschiedene gab, sind im Deutschland-Spezialkatalog von Michel dokumentiert und exakt ausgepreist. Teuerste und wohl auch seltenste Karte dieser Spezies ist die im Jahre 1953 als Auslandspostkarte im Nennwert von 20 Pfennig ausgegebene mit dem Kopfbild von Käthe Kollwitz. Als Katalogpreis sind 200,- / 250,- Euro für ein Exemplar in ungebrauchtem bzw. 500,- / 800,- Euro im postalisch gelaufenen Zustand angegeben, da diese Karten (P 44) nur 8 Monate gültig und sämtlichst ins Ausland versandt worden waren.

Sehr gesucht und wirklich rar ist auch die Karte der Berliner "Aufbaulotterie im Funk" von 1952, die mit 90,- Euro dotiert ist. Auch der Kartensatz mit gesamtdeutschen Motiven von 1953 gehört zu den Raritäten auf diesem philatelistisch-philokartistischem Spezialgebiet.

Als äußerst ungewöhnliche Ganzsachen dürfen die im Verlag von Albert Krebs in Leipzig erschienenen und beim VEB Wertpapierdruckerei bedruckten Ansichtskarten mit Motiven der Sächsischen Schweiz betrachtet werden, da es für gewöhnlich nicht üblich war, Ansichtskarten in Ganzsachenkarten umzuwandeln. Doch der permanente Mangel an Briefmarken in der abseits von Ortschaften gelegenen, aber überaus stark von Touristen frequentierten HO-Gaststätte mit Berghotel auf dem Basteifelsen ließ diesen Verbesserungsvorschlag realisieren und derartige Ansichtskarten-Ganzsachen von 1955 bis 1961 in Umlauf bringen. Die Katalogpreise sind auch bei diesen Ausgaben sehr unterschiedlich, wie interessant : sie variieren von 7,50 Euro bis zu 150,- und 250,- Euro!

Am längsten in Gebrauch waren die 10-Pfennig-Dauerpostkarten mit dem Kopfbild des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht (1961-1973) und der Abbildung des Palast der Republik (1982-1990). Auch gab es Ganzsachen-Karten im Zusammendruck mit einer Antwortkarte und zu besonderen Anlässen wie Jubiläen und Ausstellungen, die meist vom Kulturbund ausgegeben wurden und sogar mit Markenbildern bedruckt waren, die es als Briefmarke nicht gegeben hatte.

 

 

Werbung auf DDR-Postkarten

Wie in sozialistischer Planwirtschaft allgemein üblich, hatte Werbung nicht jenen Stellenwert wie im kapitalistischen System des gegenseitigen Konkurrenzkampfes um Marktanteile und Produktumsatz. So ist dieses DDR-atypische Spektrum auch auf dem philokartistischen Sektor ziemlich unterentwickelt gewesen und mit dem Umfang und der Bedeutung wie in der Bundesrepublik nicht zu vergleichen.

Dennoch gibt es einige Postkarten, die man als Werbekarten einstufen kann, wenngleich sie optisch nicht sonderlich spekulativ gestaltet worden sind und es auch nur eine geringe Anzahl typisch sozialistischer Werbung gab, die man schon in den Bereich der Propaganda einreihen kann. In der Themenrubrik "Werbung auf Postkarten" sind demzufolge mehrere Karten abgebildet, welche die politische Linie der DDR und ihrer Organisationen aufzeigen und die damalige Zeit und Entwicklung des Klassenkampfes gegen den Kapitalismus des Westens und wichtige gesellschaftspolitische Anlässe dokumentieren. Ansichtskarten für die Weltfestspiele, DDR-Jahrestage, Deutschland-Treffen oder "Volkswahlen" sind also sowohl Propaganda-, als auch allgemeine (sozialismustypische) Werbekarten.

Selbstverständlich gab es auch Postkarten mit Produktwerbung, die besonders in den 50er Jahren noch von privaten Betrieben für Bier, Spirituosen oder Gaststätten verausgabt wurden. Volkseigene Betriebe hingegen gaben nur gelegentlich ab den 60er Jahren Werbekarten für Messebesucher und Händler aus dem Ausland heraus, die als Exportfirmen einen international guten Namen hatten. (Fortschritt-Landmaschinen, ORWO-Film, IFA-Fahrzeuge, Praktica Kameras, NARVA-Lampen, VEB Pneumant, VEB Carl Zeiss Jena) Mittels Postkarten wurden aber auch neue Kosmetikprodukte, Fachzeitschriften, Gesundheitsaktionen oder neue Radiosendungen für Kinder bekannt gemacht oder zur Grippeschutzimpfung, Teilnahme an der Kartoffelernte und zum Spenden für den Aufbau von Schulen und Wohnbauten im NAW (Nationales Aufbau-Werk) aufgerufen.

Als optisch herausragende philokartistische Werbeobjekte aber darf man jene Fotopostkarten des VEB Photopapier Dresden betrachten, die um 1960 einige nackte DDR-Schönheiten als Werbung für das Fotopapier "Vephota" zeigten, die auch in der Rubrik "Werbung auf DDR-Postkarten" abgebildet sind.

 

 

Kirchliche Verlage

Während der vier Jahrzehnte der DDR-Epoche agierten nicht nur volkseigene, halbstaatliche und kleine private Postkartenverlage, sondern auch ein Dutzend kirchlicher Verlage, deren Produkte der normale DDR-Bürger fast nie zu sehen bekam und auch der Philokartist kaum mit ihnen in Berührung kommen konnte. Diese Postkarten gab es lediglich in den Kirchen und in christlichen Buchhandlungen zu kaufen; versendet wurden sie also nur von Christen und gesammelt so gut wie gar nicht. Der DDR-Bürger sehnte sich nach schönen bunten Ansichtskarten möglichst aus kapitalistischen Ländern, in die er selbst nie würde reisen können. So wurden fast nur topografische DDR-Karten gesammelt und Weihnachts-, Oster- oder Neujahrskarten, sowie die besondere Spezies mit kirchlichen Motiven und Gottesanbetungen als nicht sammelnswert betrachtet.

Dennoch überlebten diese in nicht gerade hoher Anzahl und tauchen heutzutage in manch einem Ramschposten auf, mit dem professionelle Kartenhändler nicht viel anzufangen wissen und deshalb für die Sammler noch nicht entdeckt sind.

So kann die hiesige Rubrik mit 250 ausgewählten von 550 vorliegenden kirchlichen Motiven in einem eigenen Unteralbum dazu beitragen, diese Spezies mit ihren Besonderheiten etwas populärer zu machen. Die Verlage waren in Altenburg, Bad Blankenburg, Berlin, Dresden, Heiligenstadt, Jena, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Limmritz, Plauen und Potsdam beheimatet. Neben Glückwunschkarten zum Geburtstag und den christlichen Feiertagen wurden überwiegend Postkarten produziert, auf denen Zitate bedeutender Zeitgenossen, Lebensweisheiten und Psalme veranschaulicht wurden. Sprüche der Heiligen und von Gott und für Gott als Bestätigung und Aufmunterung zum Glauben an Gott und Treue zum Christentum standen im visuellen Vordergrund, die ab den 60er Jahren graphisch immer moderner und in den ausgefallensten Lettern gestaltet wurden. Das Abstrakte dieser graphischen Gestaltungsweise wurde bis in die 80er Jahre immer weiter entwickelt, sodaß manche Exemplare als wahre Meisterwerke der Schriftkunst bezeichnet werden können und insbesondere Graphikern neue (alte) Impulse zu übertragen imstande wären.

Für den Nichtchristen erscheinen viele der christlichen Psalme und Zitate eher hohl denn als geistvoll und sind nicht für jederman zu verstehen. Dennoch wird die Betrachtung dieser kirchlichen Karten etwas besonderes auch, oder gerade für den Philokartisten sein, der mit dieser Art Postkarte noch nie zuvor in Berührung gekommen ist und gar nicht ahnen konnte, wie breit gefächert die Darstellung und der Umfang dieser Spezies im Sozialismus war.

Die Kirche in der DDR hatte gewisse Freiräume für Andersdenkende und versuchte erst sehr spät, zwischen den Zeilen Aussage gegen bestehende Machtverhältnisse zu wagen, als man auf Postkarten zum Evangelischen Kirchentag 1987 die Losung "Kehret um und glaubt an das Evangelium" bzw. "Gottes Macht - unsere Hoffnung" zu verbreiten suchte. Hoffnung auf mehr Glaubens-, Meinungs- oder gar Reisefreiheit?

Die 250 ausgewählten Karten kirchlicher Verlage sind in diesem "Museum" nach Verlagen und chronologisch nach Druckjahren geordnet, so daß sich die inhaltliche und graphische Entwicklung sehr gut nachvollziehen läßt.

 

 

Unterhaltungskünstler auf DDR-Ansichtskarten

Was seit Beginn der Unterhaltungsmedien ab 1930 praktiziert und für die Anhänger der Gesangs- und Filmstars produziert worden war, durfte auch im Sozialismus nicht fehlen: Starfotos und als Postkarte versendbare Autogrammkarten. Ungeachtet der Probleme beim Aufbau des Sozialismus und einer bis 1955 noch unterentwickelten eigenen Musik- und Filmbranche gaben die dafür zuständigen Staatsunternehmen (die Volkseigenen Betriebe Lied der Zeit und Progress Film-Vertrieb) schon ab 1950 die bei den Filmfans und musikunterhaltungsbedürftigen Werktätigen beliebten Autogrammkarten und Starfotos für Schlagersänger und Filmschauspieler heraus, die heute dank einer einfachen Nummerierung und erschwinglicher Preise relativ leicht auf komplett zu sammeln sind.

Da man in den 50er Jahren nur wenige DDR-Filmstars hatte, die auch nur nationalen Bekanntheitsgrad hatten, zeigte man schon damals auffallend viele Filme aus Ost- wie Westeuropa in den Filmtheatern und gab Postkarten mit Porträtfotos internationaler Stars wie Brigitte Bardot, Sophia Loren, Burt Lancaster oder der "Lollo", aber auch westdeutscher Darsteller wie Horst Buchholz, Dieter Borsche oder Günter Pfitzmann heraus. Nach dem Mauerbau 1961 änderte sich diese Ausgabepolitik und wurden mehr DDR-Schauspieler und aus den sozialistischen Bruderländern auf Ansichts- und Autogrammkarten verewigt. Diese sind hier -ebenso wie Schlagersänger- in alphabetischer Folge sortiert.

In diesem virtuellen Museum sind 330 Postkarten der Unterhaltungsbranche zu sehen, davon 111 mit Schauspielern, 83 Schlagersängern, 22 Combos, Trios und Musikgruppen, 23 Orchester und Chöre, lediglich 10 Karten zum Thema Bühne und Zirkus, sowie 30 Stück mit Fernsehansager/innen, die es seit dem Ende des DDR-Fernsehfunks nicht mehr gab.

Die Musikbranche der DDR blühte erst ab ca. 1956 allmählich mit guten Eigenkompositionen und Schlagerproduktionen auf, nachdem bis dahin mehrere westdeutsche Interpreten sowohl im DDR-Rundfunk als auch auf AMIGA-Schellackplatten dominierten. So ist auch auf dem philokartistischen Sektor erkennbar, wie sehr man in den schweren Jahren des Aufbaus der 50er Jahre bemüht war, den Fans der beliebten Unterhaltungskünstler entgegen zu kommen. So gab man 1956/1957, also nur sehr kurze Zeit, spezielle Ansichtskarten mit den Liedtexten bekannter deutschsprachiger Schlager von Leila Negra, Fred Bertelmann oder Gitta Lind, bis hin zu den Westberliner Travellers oder Vico Torriani heraus - exakt 70 verschiedene. 51 dieser Karten sind hier zu sehen, die ein Gefühl für die Inhalte damaliger Schlager gewähren. Schade war, daß man diese Kartenserie, vermutlich auf Grund der (Ost-West) Lizenzproblematik nicht weiter produzierte, denn mit der 1. Bitterfelder Kulturkonferenz 1959 und einsetzendem Elan der DDR-Musikschaffenden kam es zu einer jährlich steigenden Anzahl eigener Schlager und neuer Interpreten. Diese fanden sich fast alle auf Autogrammpostkarten von AMIGA und dem VEB Lied der Zeit wieder.

Ab den 70er Jahren wurden immer weniger Ansichtskarten für die Filmfans und Schlagerfreunde herausgegeben, geschweige denn von den bei der Jugend immer beliebter gewordenen DDR-Rockgruppen. So findet man wohl kaum Ansichtspostkarten von Karat, Puhdys, Silly oder Nina Hagen, aber auch nicht von Helga Hahnemann...

 

 

Geschichte der Postkarte - 1. Teil 1865-1914

Nach der Einführung der Briefmarke in Deutschland - zuerst 1849 in Bayern, dann 1850 in Preußen und Sachsen - hatte es noch 20 Jahre gedauert, bis die Postkarte ins Leben gerufen wurde.

Im Jahre 1865 unterbreitete der damalige "Geheime Postrat" Heinrich von Stephan der Deutschen Postkonferenz seine Idee einer Postkarte, die kurz zuvor von einem Herrn Richardson mit einem von ihm gezeichneten Bild von Basel aus auf den Postweg gebracht worden sein soll. Doch erst 1870 wurde die erste offizielle deutsche "Correspondenz-Karte" im Norddeutschen Postbezirk in Umlauf gebracht, just ein Jahr nachdem die Österreichische Postverwaltung den Beschluß zur Einführung einer solchen bereits verwirklicht hatte. Die erste dann namentlich genannte "Postkarte" wurde 1873 von der Deutschen Reichspost ausgegeben. Schon seit dem 1.7.1872 war es durch die Reichspost offiziell erlaubt, daß Postkarten auch selbst angefertigt und mit Bildern versehen verkauft werden durften, nachdem dies schon 1870 der Oldenburger Buchhändler und Druckereibesitzer August Schwartz als vermutlich erster praktiziert hatte. Er gab eine Feldpostkarte mit einem gezeichneten Kanonier heraus, die man als die erste "Ansichtskarte" bezeichnen kann. Der erste Händler von bebilderten "Ansichtsgrußkarten" war Heinrich Lange aus Göttingen, der die vom Studenten und späteren Pastor Ludolf Parisius gefertigten Federzeichnungen hektographisch vervielfältigte und mit großem Erfolg vermarktete.

Bereits ab 1875 wurden dann gezeichnete Grußkarten auch mit Ortsansichten und zu besonderen Anlässen verkauft und gesammelt. Nach 1880 kamen dann sogenannte "Vorläufer" und ab 1895 massenweise hergestellte farbige "Lithos" in Umlauf. "Lithos" sind lithografische Radierungen, die mit der Graviernadel auf Steinplatten geritzt wurden. Seit der Möglichkeit des Mehrfarben-Steindrucks erfreuten sich diese Karten größter Beliebtheit, so daß die Schar der Sammler schnell wuchs und schon 1896 ein "Centralverband der Ansichtskartensammler" und eine in Leipzig erschienene Fachzeitschrift "Der Postkartensammler" existierten. 1899 kam dann eine "Internationale Ansichtspostkarten- und Briefmarken-Zeitung" hinzu. Von Briefmarkenfreunden wurden jedoch die Postkartensammler ob des relativ wertlosen Sammelobjekts damals nur belächelt und auch Ganzsachensammler als keine echten Philatelisten noch geringschätzt.

Wenige Jahre nach der Einführung der offiziellen Postkarte hatte der Weltpostverband bereits das lange Jahrzehnte gültige Standardmaß von 14 x 9 cm festgelegt - das Weltpostkartenformat. Laut Verordnung war die Vorderseite nur für Frankatur und Adresse zulässig, während die ursprüngliche Rückseite für Mitteilungen bestimmt war. Als die Zeichnungen immer kartenfüllender wurden und kaum noch Platz zum Beschreiben ließen, beschloß man 1905, daß die Vorderseite halbiert und vom Absender beschrieben werden konnte. So wurde schließlich die Rückseite auf Grund der vorrangig betrachtungsorientierenden Bildansicht zur eigentlichen Vorderseite. Bis 1905 wurden Postkarten sowohl vom absendenden, als auch vom empfangenden Postamt gestempelt, so daß man auch heute noch sehr gut nachvollziehen kann, wie lange eine Karte unterwegs gewesen war. So betrug die Postlaufzeit von Völkershausen nach Frankfurt/Main im Jahre 1897 nur 10 Stunden, als eine Postkarte bei Einlieferung um 7 Uhr und mit Ankunftsstempel um 17 Uhr versehen und noch am selben Tag zugestellt wurde!

Und Postkarten von Brasilien nach Frankfurt/Main waren im selben Jahr nur 14 Tage unterwegs. Die fototechnische Entwicklung war 1896 schon soweit, auch Bildkarten von Fotografien zu produzieren, die auf der Pariser Weltausstellung Entzücken hervorriefen. Sie kamen jedoch an die Auflagen der farbigen Lithos nicht heran. Colorierte Ansichtskarten gab es etwa ab 1900 und die später üblichen Bildkarten vom Fotoabzug um 1910. In "Photographischen Ateliers" konnte man sich sogar selbst ablichten und die Aufnahme als Postkarte herstellen lassen.

In der Blütezeit der Ansichtskarte des Deutschen Kaiserreichs gab es landesweit über 500 Kartenverlage und manch Kuriosität: ausgefallene Kleinstformate, Postkarten aus Sperrholz, Leder, Blech, aus Schweinshaut, mit goldenem Prägedruck, textilem oder Glimmeraufsatz, Leporellos, von Künstlern bemalte Postkarten oder abspielbare Schallplattenkarten ! Die Ansichtskarten auf Fotopapier kamen im 1.Weltkrieg mit Gruppenbildern der Wehrmacht in Mode, während im Zivilsektor die im Herstellungspreis wesentlich teureren "Lithos" von einfachen Schwarz-Weiß-Bildkarten verdrängt und mit Kriegsausbruch nicht mehr produziert wurden.

 

 

Geschichte der Postkarte - 2. Teil 1914-1929

Mit Beginn des 1. Weltkriegs 1914 änderte sich auch die Produktionsweise der deutschen Postkartenindustrie und mußte sich auf die geänderten Bedürfnisse der Verbraucher und kriegsbedingten Umstände einstellen. Die bis dahin liebgewonnenen und allerorten angebotenen "Lithos" (gezeichnete Karten im 9-Farben-Druck) wurden abrupt nicht mehr aufgelegt, da zum einen unzählige Mitarbeiter zum Kriegsdienst herangezogen wurden, Verlage (wie andere wirtschaftliche Unternehmen auch) Kriegsanleihen, also finanzielle Mittel für die Kriegskasse beizusteuern und nur noch spärliche Mittel für eine bis dahin üblich gewesene Postkartenproduktion zur Verfügung hatten. So wurden nur noch die nachcolorierten Bildkarten hergestellt und in den wichtigsten Städten vertrieben. Die Auflagenhöhen topografischer Karten sanken erheblich, da kriegsbedingt die Ausflugsorte erheblich geringer frequentiert und somit weniger Karten von dort verschickt wurden.

So dominierten im Deutschen Reich fünf lange und schwere Jahre Feldpostkarten mit heroischen, patriotischen, nationalistischen und kriegsbezogenen Motiven - des deutschen Kaisers Kriegserklärung in silbernem Prägedruck, Karten mit Gruppenfotos militärischer Einheiten, mit Durchhalteparolen und von den Kämpfen an der Front, mit zerstörten Orten im Feindesland, erbeutetem Kriegsgerät oder provisorisch aufgestellten Kreuzen für die gefallenen Kameraden.

Äußerst makaber und kurios waren Ansichtskarten mit Bombenabwurfsversuchen erster Luftwaffen-Flugzeuge, Karten mit Durchhalteparolen wie "Durch Not und Tod zum Sieg" oder eine in 10 Meter Entfernung aus dem Schützengraben aufgenommene Granatexplosion. Originale, aber auch Studioaufnahmen mit Kampfszenen und gefallenem Kameraden wurden per Postkarte an die Angehörigen in die Heimat verschickt, oder auch privat am Krankenbett im Lazarett aufgenommene Fotopostkarten.

Makaberste Spezies dieser Zeit waren Postkarten mit militärischem "Galgenhumor" oder weiblichen Wesen "Fräulein Feldgrau" in Uniform. Und sogar für Kinder gab es patriotische Kriegsmotive mit dem spielerischen Motto "Ran an den Feind" oder "Viel Feind - viel Ehr !" Etliche Spendenkartenserien mit Fotos und Gemälden des Deutschen Kaisers und verdienter Offiziere, die von Wohlfahrts-Vereinen herausgegeben wurden, sollten gesammelt werden und den Siegeswillen des deutschen Volkes stützen.

Selbst Oster-, Pfingst- und Weihnachts-, wie auch Neujahrskarten waren mit heroischen deutschen Flaggen in Schwarz-weiß-rot dekoriert und hielten den Nationalstolz bis zum bitteren Ende des 1. Weltkriegs hoch. Anstelle schöner Ansichtskarten rückten auch mehr und mehr Gefangenen-Postkarten und solche, die den Tod des Angehörigen hatten mitzuteilen.

In dieser Museumsrubrik dokumentiert eine rund 50 Karten umfassende Auswahl das erschütternde Ereignis des 1. Weltkriegs vor nun 100 Jahren, die nacherleben läßt, welchen Einfluß dieser militärische Kampf auf die Motive der Ansichtskarten jener Zeit nahm. Wie kein anderer Krieg zuvor oder danach zeigen uns diese philokartistischen Dokumente Szenen des Kriegsalltags von damals, doch auch der geschriebene Inhalt dieser Postkarten von oder an die Front ist heute für Sammler und zeitgeschichtlich Interessierte von großer Bedeutung - sind sie doch neben Feldpostbriefen absolut authentische Zeitzeugnisse aus erster Hand.

Desweiteren zählen auch die Postkarten der Inflationszeit zu den historisch wertvollen und überaus sammelnswerten Dokumenten, bei denen man mittels der aufgeklebten Briefmarken ersehen kann, wie der Geldverfall von Monat zu Monat fortgeschritten war. Im Januar 1921 war das Kartenporto von bis dahin üblichen 10 auf 30 Pfennige gestiegen, 1922 auf 6 Mark, dann auf 25 und bis Mitte 1923 auf 140 Mark ! Den Höhepunkt der Inflation Ende 1923 belegt eine hier abgebildete Postkarte mit einer Briefmarke im Nennwert von 1 Milliarde Mark!

Die Postkartenmotive der "Goldenen Zwanziger Jahre" zeigen uns nur wenig vom darauf folgenden neuen gesellschaftlichen Aufschwung, der Arbeitslosigkeit oder den politischen Machtkämpfen. Neben kaum noch colorierten, topografischen Postkarten wurden mehr und mehr das Automobil, das Flugzeug oder neue Bauwerke wie die ersten Sendetürme des Rundfunks in das Motivrepertoire der Postkartenverlage aufgenommen. Neben farbigen Kunstpostkarten und topografischen, meist nur noch im preisgünstigsten Kupfertiefdruck hergestellten Karten, gab es um 1925 dann auch farblich sehr ungewöhnliche Fotokarten, Werbekarten von Kaufhäusern, Etablissements oder Verbänden. In der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre reichten die Kartenmotive von Erotischem über Kitsch bis hin zu als kurios belächeltem traumavisiertem Geldsegen und üppigem Essen, aber auch bis zu neuesten Industrieanlagen oder einer der ersten Verkehrsampeln, die in dieser Rubrik gezeigt sind.

 

 

Geschichte der Postkarte - 3. Teil 1930-1945

Mit der Machtübernahme durch die NSDAP und des Führers Adolf Hitler veränderte sich sowohl die teilweise Drucktechnik vor allem der farbigen Ansichtskarten, als auch das Motivrepertoire im Deutschen Reich. Die nationalsozialistische Bewegung und deren Erfolge wurden ab 1933 allmählich auch auf dem philokartistischen Sektor dokumentiert und deren propagandistische Produkte unter das Deutsche Volk gebracht und in die übrige Welt verschickt.

Als erste Veränderung war die Ablösung der Frankaturen bei den Ganzsachen zu bemerken, als ab 1932 lediglich das Hindenburg-Medaillon als Frankatur diente. 1941 löste dann das Bildnis Adolf Hitlers den verstorbenen Feldmarschall ab. Die erste Sonderpostkarte nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gab der Zentralverlag der NSDAP im März 1933 heraus, auf welcher uniformierte NS-Verbände durch das Brandenburger Tor marschierten. 1934 folgten weitere Ganzsachen zum ersten "Tag der Arbeit" (1.Mai) und zum NSDAP- Parteitag. Die Ganzsachenkarten konnte man sowohl im Postamt als auch aus Automaten kaufen und wurden zu den verschiedensten Anlässen in hoher Stückzahl ausgegeben. Größte (banale) Kuriosität war in diesem Genre die letzte Sonderpostkarte zum Parteitag 1939, der als "Parteitag des Friedens" propagiert war, obwohl eine Woche danach der 2. Weltkrieg entfacht wurde.

Neben zahlreichen propagandistischen Karten der nationalsozialistischen Bewegung sind in dieser Rubrik als Gegenstück auch für die damalige Zeit ebenso typische topografische, wie auch Glückwunsch- und Humorkarten, neuartige Werbepostkarten und Urlaubskarten aus dem Ausland zu sehen, die einen kleinen Einblick in das Motivrepertoire und die Drucktechnik der Dreißiger Jahre geben sollen. Der Geschichte rechnungtragend kommt aber auch die philokartistische Dokumentation des 2. Weltkriegs und dessen propagandische Darstellung hier zur Geltung, mit der die zivile Bevölkerung, wie auch die Angehörigen der Wehrmacht konfrontiert wurde. Erschütternstes Zeitzeugnis dieser Rubrik dürfte der Trost um den an der Front gefallenen Bruder und Sohn sein, der handgeschrieben an die Mutter per Postkarte geschickt worden war.

In chronologischer Folge der Rubrik 1930-1945 bilden Ganzsachenkarten mit kriegsbedingten Warnungen an die Zivilbevölkerung, Kriegsgefangenenpostkarten und die Siegespostkarte der Roten Armee von 1945 den Abschluß jener für unzählige Menschen leidvollen Zeitspanne des "Tausendjährigen Reichs", das 12 schwere Jahre währte.